Phishing-SMS, gefälschte Onlineshops und täuschend echte Betrugs-E-Mails werden von Kriminellen immer professioneller inszeniert. Eine Redakteurin der Stiftung Warentest hat in einem Selbstversuch geprüft, ob gängige KI-Chatbots – darunter ChatGPT, Claude, Microsoft Copilot, Google Gemini und Perplexity – Verbraucherinnen und Verbrauchern dabei helfen können, solche Fakes zu entlarven. Die Ergebnisse zeigen: Die Technologie kann unterstützen, ist aber kein Ersatz für eigenes kritisches Denken.
Die Testergebnisse im Überblick
1. Betrugs-SMS im Namen von Versanddienstleistern (DHL, Hermes, UPS)
Sämtliche getesteten Chatbots erkannten diese Nachrichten eindeutig als Betrug. Sie wiesen übereinstimmend auf falsch geschriebene Domainnamen, ungewöhnliche Absenderadressen, den Aufbau künstlicher Zeitdruck sowie auffällige Links hin. Die Bewertung war hier durchgängig korrekt.
2. Phishing-E-Mail im PayPal-Stil
Hier zeigte sich ein uneinheitliches Bild: Manche Chatbots stuften die Nachricht als legitim ein, andere äußerten starke Zweifel. Allerdings identifizierten alle Systeme die klassischen Warnsignale – darunter das Fehlen einer persönlichen Anrede, die Aufforderung zur sofortigen Handlung und ungewöhnliche Kontaktwege. Die finale Einschätzung fiel jedoch unterschiedlich aus, was die Grenzen der KI zeigt.
3. Echte Sparkassen-Transaktions-SMS mit TAN-Anforderung
In diesem Fall versagten die Chatbots nahezu vollständig: Sie warnten fälschlicherweise vor Phishing, obwohl es sich um eine echte Benachrichtigung der Bank handelte. Die Kombination aus verkürztem Link und TAN-Aufforderung löste bei allen KIs einen Fehlalarm aus – ein klassisches Beispiel für eine „falsch-positive“ Erkennung.
4. Fake-Shop, beworben über Social-Media-Kanäle
Alle Chatbots rieten eindeutig vom Kauf ab. Sie verwiesen auf fehlende oder unglaubwürdige Impressumsangaben, unseriöse Zahlungsmethoden (nur Vorkasse) und schlechte Bewertungen auf unabhängigen Portalen. Die Systeme erkannten die typischen Muster von Abzockseiten zuverlässig.
Fazit des Selbstversuchs
KI-Chatbots stellen zweifellos einen nützlichen „zweiten Blick“ dar. Sie erkennen viele formale und inhaltliche Warnsignale erstaunlich gut, sind jedoch nicht unfehlbar. Wie der Fehlalarm bei der echten Bank-SMS zeigt, kann es zu sowohl falsch-positiven als auch falsch-negativen Einschätzungen kommen. Die Ergebnisse sollten daher stets mit Vorsicht genossen und eigenständig überprüft werden.
Expertin Dr. Ayten Öksüz von der Verbraucherzentrale NRW ordnet ein:
„Künstliche Intelligenz erleichtert es Betrügerinnen und Betrügern, täuschend echte Nachrichten, Bilder und sogar Videos zu erstellen. Chatbots können Verbraucherinnen und Verbrauchern durchaus helfen, doch sie ersetzen keinesfalls die eigene Prüfung. Besonders wichtig: Geben Sie niemals persönliche oder sensible Daten in ein KI-System (*) ein, und hinterfragen Sie jede KI-Antwort kritisch.“
Fünf praktische Tipps, um sich vor Online-Betrug zu schützen
- Zeitdruck erkennen und ignorieren – Jegliche Aufforderung zur sofortigen Handlung („Jetzt klicken, sonst wird Ihr Konto gesperrt!“) ist ein klassisches Warnsignal.
- Absender und Links genau prüfen – Klicken Sie niemals direkt auf in Nachrichten enthaltene Links. Rufen Sie stattdessen immer die offizielle Website oder die App des Anbieters auf und loggen Sie sich dort ein.
- Misstrauen bei zu guten Angeboten – Angebote mit extrem reduzierten Preisen und vorgeblichen „Geschäftsaufgaben“ sind oft Fallen. Vergleichen Sie Preise und suchen Sie gezielt nach Erfahrungsberichten.
- KI als Helfer, nicht als Entscheider einsetzen – Nutzen Sie mehrere Chatbots mit dem gleichen Sachverhalt, um ein breiteres Meinungsbild zu erhalten. Geben Sie jedoch niemals persönliche Daten, Kontonummern oder Passwörter in die Eingabezeile ein – diese Informationen gehören nicht in ein KI-System (*).
- Zusätzliche Prüftools verwenden – Nutzen Sie den kostenlosen Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale NRW oder werfen Sie einen Blick auf unabhängige Bewertungsplattformen wie Trustpilot, um die Seriosität eines Anbieters zu überprüfen.
Unser abschließender Rat
KI-Chatbots sind ein sinnvolles und zunehmend leistungsfähiges Hilfsmittel im Kampf gegen digitale Betrugsmaschen. Sie ersetzen jedoch nicht den gesunden Menschenverstand und die eigenverantwortliche Prüfung. Bei allen Angelegenheiten, die Banken, Zahlungen oder die Preisgabe persönlicher Daten betreffen, empfehlen wir, direkt beim jeweiligen Anbieter nachzufragen – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
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