Passives Einkommen durch Dividenden-ETFs ist möglich. Doch es gibt entscheidende Haken – und oft gibt es bessere Alternativen. Eine Einordnung für alle, die ihr Geld langfristig anlegen wollen.
Was ist überhaupt eine Dividende?
Wenn du Aktien oder Anteile an einem Fonds besitzt, beteiligen manche Unternehmen ihre Anteilsinhaber regelmäßig am Gewinn – mit einer sogenannten Dividende. Das ist wie ein Anteil am Unternehmensgewinn, der direkt auf dein Konto überwiesen wird. Das klingt nach echtem passivem Einkommen – und das ist auch der Grund, warum viele Anlegerinnen und Anleger gezielt auf sogenannte „Dividenden-Strategien“ setzen.
Tipp: Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der viele verschiedene Aktien in einem einzigen Produkt bündelt. Das spart Zeit, Aufwand und sorgt für automatische Risikostreuung.
Das Versprechen: Monatliche Ausschüttungen
Wer monatlich Dividenden erhalten möchte, steht vor einem Problem: Die meisten ETFs schütten ihre Erträge nur einmal pro Jahr oder einmal pro Quartal aus – nicht monatlich. Einzelaktien selbst zu kaufen, um monatliche Ausschüttungen zu erzielen, wäre zwar theoretisch möglich, aber mit hohem Aufwand verbunden und schlecht gestreut – also riskanter.
Ein populärer Workaround: drei ETFs kombinieren, die jeweils quartalsweise, aber in unterschiedlichen Monaten ausschütten. So erhält man über das Jahr verteilt jeden Monat eine Zahlung (3 ETFs × 4 Ausschüttungen = 12 Zahlungen im Jahr). Das funktioniert – ist aber aufwendiger zu verwalten.
Der neue Weg: Ein ETF mit echter Monatsausschüttung
Seit Anfang 2025 gibt es eine neue Option: den L&G Global Quality Dividends ETF (ISIN: IE0005AJA0P1). Er schüttet tatsächlich jeden Monat aus, kostet 0,29 % Gebühr pro Jahr und enthält Anteile von rund 950 Unternehmen weltweit.
Achtung: Dieser ETF ist trotzdem nicht zu empfehlen – er hat gleich mehrere gewichtige Schwächen:
Zu wenig gestreut
950 Unternehmen klingt viel, aber Standard-Welt-ETFs enthalten 1.300 bis 8.000 Aktien. Je breiter gestreut, desto geringer das Risiko – fällt eine Aktie aus, ist der Schaden kleiner.
Schiefer Branchenmix
Hohe Dividenden kommen oft aus Finanz- und Industrieunternehmen. Der ETF ist dadurch in diesen Bereichen übergewichtet – Technologiefirmen, die viel Wachstum versprechen, aber wenig ausschütten, fehlen.
Zu kurze Geschichte
Der ETF existiert noch kein Jahr. Es gibt kaum Daten darüber, wie er sich in guten und schlechten Marktphasen verhält. Seriöse Bewertungen sind erst nach mehreren Jahren möglich.
Kleines Fondsvolumen
Mit ca. 120 Mio. € verwaltetem Vermögen ist der Fonds sehr klein. Das erhöht das Risiko einer Schließung oder Zusammenlegung – und dabei können Steuern fällig werden, die den Zinseszinseffekt schmälern.
Unklare Nachhaltigkeit
Der ETF wird teilweise als „nachhaltig“ (ESG) vermarktet, aber die Auswahlkriterien sind wenig transparent. Wer wirklich nachhaltig anlegen will, sollte einen Fonds mit klar kommunizierten Standards wählen.
Warum eine reine Dividenden-Strategie oft kein guter Plan ist
Unabhängig vom konkreten ETF gilt: Eine Strategie, die primär auf hohe Dividenden setzt, ist für den langfristigen Vermögensaufbau (*) in den meisten Fällen nicht optimal. Hier sind die wichtigsten Gründe dafür:
- Dividenden sind kein Extragewinn
Eine Dividende fühlt sich wie ein Geschenk an, ist aber keines: Wenn ein Unternehmen ausschüttet, sinkt der Kurs der Aktie exakt um den ausgeschütteten Betrag. Vereinfacht gesagt: Dein linker Tascheninhalt wandert in die rechte Tasche. Das Gesamtvermögen bleibt gleich – aber du hast jetzt Steuern auf die Dividende gezahlt, auch wenn du das Geld gar nicht brauchst. Besser wäre es, Erträge automatisch wieder anzulegen und die Steuer (*) möglichst lange hinrauszuzögern. - Hohe Dividenden können ein Warnsignal sein
Unternehmen, die viel ausschütten, investieren oft weniger in ihr eigenes Wachstum. Manchmal sind hohe Dividenden sogar ein Zeichen dafür, dass ein Unternehmen schwächelt und seine Investoren mit Ausschüttungen bei Laune halten will – ohne echten Substanzaufbau. Das kann den Kurs langfristig drücken. - Dividenden sind nicht zuverlässig
Anders als ein Festgeldzins sind Dividenden nicht vertraglich garantiert. Unternehmen können jederzeit weniger oder gar nicht ausschütten – zum Beispiel in Krisenzeiten. Wer auf monatliche Einnahmen angewiesen ist, sollte sich also nicht allein auf Dividenden verlassen.
Was ist der Zinseszinseffekt? Wer Gewinne sofort wieder anlegt, erzielt im nächsten Jahr Rendite auf Rendite – das Vermögen wächst exponentiell statt linear. Je später man Steuern zahlt, desto länger arbeitet das gesamte Kapital für einen.
Die bessere Alternative: Thesaurierende Welt-ETFs
Statt auf Dividenden-Ausschüttungen zu setzen, empfiehlt sich ein thesaurierender ETF: Er legt alle Erträge automatisch wieder an, ohne dass Steuern auf einzelne Ausschüttungen anfallen. Lediglich auf eine kleine jährliche Pauschale (Vorabpauschale) wird Steuer (*) fällig – der Rest bleibt investiert und arbeitet weiter.
Empfehlenswerte Welt-ETFs umfassen zum Beispiel:
| Name | ISIN | Abdeckung |
|---|---|---|
| SPDR MSCI ACWI IMI | IE00B3YLTY66 | ~8.000 Aktien weltweit |
| Vanguard FTSE All-World | IE00BK5BQT80 | ~4.000 Aktien, Industrie- + Schwellenländer |
| iShares MSCI ACWI | IE00B6R52259 | ~2.500 Aktien weltweit |
| Amundi MSCI ACWI | LU1829220216 | ~2.500 Aktien weltweit |
Auszahlphase: Auch mit einem thesaurierenden ETF kannst du dir später ein regelmäßiges Einkommen aufbauen – einfach indem du nach und nach Anteile verkaufst. Manche Broker bieten dafür sogar automatische Auszahlpläne an (z. B. Flatex oder S Broker).
Ausnahme: Einsteiger mit kleinem Vermögen
Wer gerade erst anfängt zu investieren und den jährlichen Steuerfreibetrag von 1.000 € noch nicht ausschöpft, kann durchaus mit ausschüttenden ETFs starten. Die Dividende wird dann steuerfrei ausgezahlt und gibt ein motivierendes Signal: „Mein Geld arbeitet bereits.“ In diesem Fall sind breite Welt-ETFs in ausschüttender Variante eine sinnvolle Wahl – etwa:
- SPDR MSCI ACWI IMI (ISIN: IE000DD75KQ5)
- Vanguard FTSE All-World (ISIN: IE00B3RBWM25)
Wichtig: Diese sind keine reinen Dividenden-ETFs mit überhöhten Ausschüttungen, sondern breit gestreute Welt-ETFs – nur eben in der ausschüttenden Variante.
Fazit: Dividenden fühlen sich besser an, als sie sind
Monatliche Dividenden klingen verlockend – sie geben das Gefühl, ein regelmäßiges Zusatzeinkommen zu haben. Aber für den langfristigen Vermögensaufbau (*) sind sie in der Regel kein Vorteil. Der L&G Global Quality Dividends ETF ist ein interessantes Produkt, hat aber zu viele offene Flanken, um empfohlen werden zu können.
Wer wirklich Vermögen aufbauen will, fährt besser mit einem einzigen, breit gestreuten, thesaurierenden Welt-ETF – und baut sich die Auszahlung in der Rentenphase selbst durch schrittweise Anteilsverkäufe zusammen. Einfacher, steuergünstiger und in der Regel renditestärker.
Merksatz: Ein thesaurierender Welt-ETF genügt. Spare dir die Dividenden-Komplexität – und lass den Zinseszins für dich arbeiten.
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