Würdest du Geld aus dem Fenster werfen? Wahrscheinlich nicht. Trotzdem bleiben viele Haushalte jahrelang bei einem Stromanbieter, der ihnen mehr abverlangt, als nötig wäre. Du zahlst dann für dieselbe Leistung drauf – und verschenkst obendrein Prämien und Boni, die dir ein Wechsel bringen könnte.
Warum du aus der Grundversorgung raus solltest
Landest du in der Grundversorgung – etwa weil du gerade umgezogen bist oder noch nie aktiv gewechselt hast – zahlst du in aller Regel mehr, als bei einem Alternativanbieter nötig wäre. Ein Stromvergleich dauert nur wenige Minuten, und viele Haushalte sparen dadurch mehrere hundert Euro im Jahr. Als Erstwechsler profitierst du außerdem oft von Neukundenboni. Und keine Sorge: Während des gesamten Wechsels bist du lückenlos versorgt, ein Blackout durch den Anbieterwechsel gibt es nicht.
Warum sich regelmäßiges Wechseln lohnt
Auch unter den Alternativanbietern gibt es teils deutliche Preisunterschiede, und der Markt bewegt sich ständig – Preise ändern sich, neue Anbieter kommen dazu. Ein Punkt, den viele unterschätzen: Wechselprämien und Boni gelten meist nur im ersten Vertragsjahr. Im zweiten Jahr wird es ohne neuen Wechsel oft spürbar teurer. Wer regelmäßig vergleicht, sichert sich nicht nur den günstigeren Tarif, sondern nimmt auch wiederholt Prämien mit.
So läuft ein Stromwechsel ab
- Postleitzahl und Verbrauch eingeben – deinen Jahresverbrauch findest du auf der letzten Abrechnung, alternativ kannst du dich an Durchschnittswerten für deinen Haushaltstyp orientieren.
- Vergleichstarif und Filter setzen – trag zum Vergleich z. B. deinen aktuellen Tarif ein und passe Filter wie Boni oder Preisgarantie an.
- Tarifbewertung prüfen – schau dir nicht nur den Preis an, sondern auch Kriterien wie Vertragslaufzeit, AGB-Regelungen oder Beschwerdequote, damit es nach dem Wechsel keine bösen Überraschungen gibt.
- Online wechseln – für den eigentlichen Wechsel brauchst du noch Lieferadresse, gewünschten Lieferbeginn und im Idealfall die Zählernummer; Letztere kannst du auch nachreichen.
- Kündigung – in den meisten Fällen kündigt dein neuer Anbieter den alten Vertrag automatisch für dich. Selbst kündigen musst du nur, wenn deine Kündigungsfrist in weniger als vier Wochen abläuft oder du dein Sonderkündigungsrecht wegen einer Preiserhöhung nutzt.
Wie viel Geld tatsächlich liegen bleibt
Hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen, denn hier wird oft mit veralteten oder zu grob vereinfachten Angaben gearbeitet.
Eine CHECK24-Auswertung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2021 (Datenbasis 2020): Von rund 3,9 Millionen Haushalten, die jährlich innerhalb Deutschlands umziehen, wechseln etwa 2,7 Millionen ihren Stromanbieter beim Umzug nicht. Damals lagen rund 26 Prozent der Stromkunden in der Grundversorgung, weitere 40 Prozent hatten einen Sondertarif direkt beim Grundversorger. Rechnerisch ergab das knapp 1,8 Millionen Haushalte, die zu viel zahlten – macht in Summe rund 177 Millionen Euro pro Jahr.
Neuere Berechnungen, etwa von Verivox, gehen für die letzten Jahre von deutlich höheren Beträgen aus – teils wird sogar geschätzt, dass Verbraucher in Deutschland jährlich im Milliardenbereich zu viel für Strom (*) zahlen, weil Millionen Haushalte noch nie gewechselt haben. Die genaue Summe schwankt je nach Studie und Berechnungsgrundlage – die Kernaussage bleibt aber gleich: Wer nicht wechselt, lässt echtes Geld liegen.
Ein Wort zur Einordnung: Ein Sondertarif beim Grundversorger ist nicht automatisch teuer – manche dieser Tarife sind durchaus wettbewerbsfähig. Pauschal gilt aber: Die Grundversorgung selbst gehört laut Marktbeobachtungen regelmäßig zu den teureren Optionen, weil hier – anders als bei Wechseltarifen – kein Wettbewerbsdruck durch Neukundenrabatte besteht.
Kündigungsfristen im Überblick
- Grundversorgung: Du kannst hier jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen und wechseln.
- Alternativanbieter: Die Kündigungsfrist ergibt sich aus deinem Vertrag bzw. den AGB. Seit der BGB-Reform von 2022 sind bei neu abgeschlossenen Verträgen mit automatischer Verlängerung Kündigungsfristen von mehr als einem Monat vor Ende der Verlängerung nicht mehr zulässig – bei älteren oder anders gestalteten Verträgen können aber weiterhin längere Fristen (oft ein bis drei Monate) sowie Mindestvertragslaufzeiten gelten. Wirf also unbedingt einen Blick in deine individuellen Vertragsunterlagen. In der Praxis übernimmt der neue Anbieter die Kündigung meist automatisch für dich.
- Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung: Erhöht dein Anbieter den Preis, darfst du in der Regel fristlos innerhalb von zwei Wochen ab schriftlicher Mitteilung kündigen (§ 41 Abs. 5 EnWG). Wichtig: Diese Kündigung musst du in diesem Fall selbst vornehmen – ein Kündigungsservice kann dir dabei aber die Arbeit abnehmen.
Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet
Wann solltest du 2026 wechseln? Der beste Zeitpunkt richtet sich vor allem nach dem Ende deiner Vertragslaufzeit bzw. Preisbindung – schau dazu in deinen Vertrag oder die AGB. Kündigt dein Anbieter eine Preiserhöhung an, kannst du unabhängig davon jederzeit über dein Sonderkündigungsrecht wechseln.
Wie läuft der Wechsel praktisch ab? Verbrauch und Postleitzahl in einen Vergleichsrechner eingeben, passenden Tarif auswählen, online abschließen – fertig. Um die Kündigung beim alten Anbieter musst du dich in den meisten Fällen nicht selbst kümmern.
Kannst du jederzeit wechseln? In der Grundversorgung und bei einer Preiserhöhung: ja, mit einer zweiwöchigen Frist. Ansonsten gilt die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit – meist zwischen wenigen Wochen und drei Monaten, abhängig vom Vertrag.
Kurz gesagt: Ein Stromwechsel dauert wenige Minuten, kostet dich nichts und kann dir – je nach Ausgangstarif – mehrere hundert Euro im Jahr sparen. Ein regelmäßiger Blick auf den eigenen Vertrag lohnt sich also fast immer.
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