Das neue Smartphone auf Raten, drei Streaming-Abos, hier ein In-App-Kauf, dort „später bezahlen“ im Onlineshop. Jeder einzelne Betrag wirkt harmlos. Gefährlich wird es, wenn du den Überblick verlierst. Dann kommen zur ursprünglichen Rechnung schnell Mahngebühren, Verzugszinsen und Inkassokosten dazu.
Was die Zahlen zeigen und was nicht
Der aktuelle Überschuldungsreport des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) hat über 220.000 Fälle aus Schuldnerberatungsstellen ausgewertet. Wichtig ist dabei: Die Daten stammen von Menschen, die schon ernsthafte Geldprobleme haben. Sie zeigen also nicht, wie es allen jungen Leuten in Deutschland geht.
Bei Ratsuchenden unter 25 Jahren stammen 17,7 Prozent der Forderungen von Telekommunikationsunternehmen. Fast genauso häufig sind Schulden bei Händlern und Dienstleistern (17,66 Prozent). Danach folgen öffentliche Stellen wie Finanzamt oder Behörden (rund 14,6 Prozent), Versandhäuser (9,5 Prozent) und Ratenkredite (7 Prozent).
Das heißt nicht, dass knapp jede oder jeder Fünfte unter 25 Handyschulden hat. Gemeint ist der Anteil an den Schulden derjenigen, die bereits Hilfe suchen.
„Handyschulden“ sind mehr als Handyraten
Hinter einer Forderung (*) deines Mobilfunkanbieters kann vieles stecken:
- offene Monatsrechnungen für Handy- oder Internetvertrag
- Raten für ein mitfinanziertes Smartphone
- Gebühren nach Zahlungsverzug oder Kündigung
- Zusatzoptionen wie Datenpakete
- Abos oder Inhalte von Drittanbietern, die über die Handyrechnung abgebucht werden
Tipp: Lass bei deinem Anbieter eine kostenlose Drittanbietersperre einrichten. Dann kann niemand ungewollt etwas über deine Handyrechnung abrechnen.
Bezahlst du ein Abo (*) direkt beim Streamingdienst oder im App-Store, taucht es übrigens nicht als Telekommunikationsschuld auf.
Selten nur ein Grund
Überschuldung entsteht fast nie durch einen einzigen Kauf. Die häufigsten Auslöser sind Krankheit, Sucht oder Unfall (17,8 Prozent) sowie Arbeitslosigkeit oder weniger Arbeit (14,9 Prozent). Konsumverhalten liegt bei 9,5 Prozent. Meistens treffen mehrere Probleme zusammen, zum Beispiel ein Jobverlust bei ohnehin hoher Miete.
Buy now, pay later: bequem, aber eine Art Kredit
Bei „Buy now, pay later“ (BNPL) kaufst du heute und zahlst später, entweder auf Rechnung oder in Raten. Oft steht dabei ein Zahlungsdienst wie Klarna (*), PayPal oder Ratepay zwischen dir und dem Shop. Nicht jede dieser Zahlungen ist rechtlich ein Kredit. Wirtschaftlich nutzt du aber Geld, das du noch nicht ausgegeben hast.
Wie groß der Anteil von BNPL an den Schulden junger Menschen ist, lässt sich noch nicht sagen. Der Report will BNPL (*) erst ab 2027 gesondert erfassen. Eine Umfrage der Finanzaufsicht BaFin zeigt aber, worin das Risiko liegt:
- 20 Prozent der 18- bis 60-Jährigen nutzen BNPL beim Onlinekauf.
- 14 Prozent davon haben schon einmal den Überblick über offene Rechnungen verloren, bei den Unter-30-Jährigen sogar 24 Prozent.
- Jede oder jeder Sechste hat gekauft, obwohl das Geld eigentlich fehlte.
- Ein Viertel hat schon Mahngebühren gezahlt.
Warum kleine Schulden besonders teuer sind
Bei Forderungen unter 500 Euro bestehen im Schnitt 14 Prozent des Gesamtbetrags aus Zinsen und Kosten. Bei Schulden ab 5.000 Euro sind es nur 5 Prozent. Der Grund: Mahn-, Inkasso- und Anwaltsgebühren fallen auch bei kleinen Beträgen an. Bei einer kleinen Summe fallen sie deshalb viel stärker ins Gewicht.
Ein vergessener 60-Euro-Kauf ruiniert dich nicht. Kommen aber mehrere offene Rechnungen, Mahnungen und ein knappes Konto zusammen, wird schnell ein echtes Problem daraus.
Was sich ab 20. November 2026 ändert
Ab diesem Datum gilt in Deutschland ein strengeres Verbraucherkreditrecht. Erstmals fallen darunter auch:
- Kleinkredite unter 200 Euro
- zins- und gebührenfreie Kredite
- Kurzzeitkredite bis drei Monate
- viele BNPL (*)-Angebote mit zwischengeschaltetem Zahlungsdienst
Für dich bedeutet das: Anbieter müssen deine Kreditwürdigkeit prüfen und dich vorab klar informieren. Außerdem kannst du den Vertrag innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Ausgenommen bleibt weitgehend der kostenlose Zahlungsaufschub, den dir ein Händler selbst gewährt.
Das ist ein echter Fortschritt. Dein eigenes Budget ersetzt es aber nicht.
Drei Fragen vor jedem „Später bezahlen“
- Ist der volle Betrag am Fälligkeitstag sicher auf deinem Konto?
- Welche Raten, Abos und Rechnungen laufen diesen Monat schon?
- Würdest du das auch kaufen, wenn du sofort zahlen müsstest?
Trag dir Fälligkeitstermine in den Kalender ein und kündige Abos, die du kaum nutzt.
Wenn es eng wird: früh handeln
Ignoriere keine Mahnung. Melde dich sofort beim Anbieter und frag nach Stundung oder Ratenzahlung. Wenn mehrere Forderungen auflaufen, such dir möglichst früh Hilfe bei einer gemeinnützigen Schuldnerberatung. Die gibt es zum Beispiel bei Verbraucherzentralen, Caritas, Diakonie, AWO oder deiner Stadt bzw. deinem Landkreis, und sie ist kostenlos. Finger weg von kommerziellen „Schuldenregulierern“, die vorab Geld verlangen.
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